Freie Mei­nungs­äu­ße­rung

Speaker's Corner

Arti­kel 10 der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on gewähr­leis­tet – neben der Infor­ma­ti­ons­frei­heit, der Pres­se- und Rund­funk­frei­heit – das all­ge­mei­ne, Jeder­mann zuste­hen­de Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung.

Die in in Arti­kel 9 EMRK geschütz­te Gedan­ken­frei­heit ist die Frei­heit des Den­kens, ins­be­son­de­re in welt­an­schau­li­chen und poli­ti­schen Din­gen. Die in Arti­kel 10 EMRK geschütz­te Mei­nungs­frei­heit ist dage­gen die Frei­heit, sei­ne Gedan­ken laut und öffent­lich aus­zu­spre­chen, ver­stan­den als das sub­jek­ti­ve Recht auf freie Rede, auf freie Äuße­rung und auf die (öffent­li­che) Ver­brei­tung einer Mei­nung in Wort, Schrift und Bild sowie allen wei­te­ren ver­füg­ba­ren Über­tra­gungs­mit­teln. EIne so ver­stan­de­ne Mei­nungs­frei­heit geht über die Gedan­ken­frei­heit – und damit über die all­ge­mei­ne Gewähr­leis­tung des Art. 8 EMRK hin­aus. Sie war den Ver­fas­sern der Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on so wich­tig, dass sie in Arti­kel 9 geson­dert geschützt wur­de.

Die Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit, ver­stan­den als das sub­jek­ti­ve Recht auf freie Rede sowie freie Äuße­rung und pri­va­te oder öffent­li­che Ver­brei­tung einer Mei­nung in Wort, Schrift und Bild sowie allen wei­te­ren ver­füg­ba­ren Über­tra­gungs­mit­teln, ist eines ers­ten aner­kann­ten, als Schutz­recht gegen des Staat ver­stan­de­nes Men­schen­rech­te und eine con­di­tio sine qua non für ein demo­kra­ti­sches Staats­we­sen. Dem­ge­mäß bezeich­ne­te bereits im Frank­reich des Jah­res 1789 die Erklä­rung der Men­schen- und Bür­ger­rech­te die Mei­nungs­frei­heit als “un des droits les plus pré­cieux de l’Hom­me”, als eines der kost­bars­ten Rech­te des Men­schen.

Auch die 1948 von den Ver­ein­ten Natio­nen ver­ab­schie­de­te All­ge­mei­ne Erklä­rung der Men­schen­rech­te pos­tu­liert in ihrem Arti­kel 19 das Recht eines jeden Men­schen, sei­ne Mei­nung zu ver­brei­ten und die Mei­nun­gen ande­rer Men­schen zu hören, eben­so Arti­kel 19 des UN-Zivil­pak­tes.

In Deutsch­land ist die Mei­nungs­frei­heit als Grund­recht in Art. 5 GG garan­tiert.

Arti­kel 10 der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on garan­tiert die Mei­nungs­frei­heit jedoch nicht unbe­grenzt, son­dern akzep­tiert, dass die freie Rede auch mit Pflich­ten und Ver­ant­wor­tung ver­bun­den und erlaubt ihre Ein­schrän­kung auf­grund eines Geset­zes

  • aus Grün­den­der natio­na­len Sicher­heit,
  • zum Schutz der öffent­li­chen Sicher­heit und Ord­nung (ein­schließ­lich der Moral),
  • zur Ver­hü­tung von Straf­ta­ten,
  • aus Grün­den des Ehr­schut­zes sowie zur Wah­rung der Rech­te Drit­ter,
  • zur Ver­hin­dung der Ver­brei­tung ver­trau­li­cher Infor­ma­tio­nen sowie
  • zur Wah­rung der Auto­ri­tät und Unpar­tei­lich­keit der Recht­spre­chung.

Eine wei­te­re Ein­schrän­kung in der Gewähr­leis­tung der Mei­nungs­frei­heit ent­hält Arti­kel 16 der Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on, der es den Ver­trags­staa­ten gestat­tet, die poli­ti­sche Tätig­keit aus­län­di­scher Per­so­nen – und damit auch ihre Frei­heit zur Mei­nungs­äu­ße­rung – zu beschrän­ken.

d121a8c0c1704da3ad274333a517a723 - Freie Meinungsäußerung

Arti­kel 10 – Frei­heit der Mei­nungs­äu­ße­rung

  1. Jede Per­son hat das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung. Die­ses Recht schließt die Mei­nungs­frei­heit und die Frei­heit ein, In­formationen und Ideen ohne behörd­li­che Ein­griffe und ohne Rück­sicht auf Staats­gren­zen zu emp­fan­gen und wei­ter­zu­ge­ben. Die­ser Arti­kel hin­dert die Staa­ten nicht, für Hör­funk- , Fern­seh- oder Kino­un­ter­neh­men eine Geneh­mi­gung vor­zu­schrei­ben.
  2. Die Aus­übung die­ser Frei­hei­ten ist mit Pflich­ten und Ver­antwortung ver­bun­den; sie kann daher Form­vor­schrif­ten, Bedin­gun­gen, Ein­schrän­kun­gen oder Straf­drohungen unter­wor­fen wer­den, die gesetz­lich vor­ge­se­hen und in einer demo­kra­ti­schen Ge­sell­schaft not­wen­dig sind für die natio­na­le Sicher­heit, die territo­riale Unver­sehrt­heit oder die öffent­li­che Sicher­heit, zur Auf­recht­erhal­tung der Ord­nung oder zur Ver­hü­tung von Strafta­ten, zum Schutz der Gesund­heit oder der Moral, zum Schutz des guten Rufes oder der Rech­te ande­rer, zur Verhin­derung der Ver­brei­tung ver­trau­li­cher Infor­ma­tio­nen oder zur Wah­rung der Auto­ri­tät und der Unpar­tei­lich­keit der Recht­spre­chung.

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